Merfolks in der chinesischen Mythologie: Die Hauser und Meeresjungfrauen
Nicht deine Disney-Meeresjungfrauen
Vergiss Ariel. Vergiss die kleine Meerjungfrau, die sich auf einem Felsen die Haare kämmt. Die Merfolks der chinesischen Mythologie sind ganz anders als ihre westlichen Pendants. Die Jiaoren (鲛人 jiāorén), die Hauser des Südmeeres, singen den Seeleuten nicht ihr Unheil herbei und tauschen ihre Stimmen nicht gegen Beine. Sie weben Stoff unter Wasser. Sie weinen Perlen (珍珠 zhēnzhū). Und ihr Körperöl brennt, einmal entzündet, für immer. Leser mochten auch Leviathane des östlichen Meeres: Riesenmeer-Kreaturen in der chinesischen Mythologie.
Das Shanhaijing (山海经 Shānhǎi Jīng) und spätere chinesische Texte beschreiben eine ganz andere Beziehung zwischen Menschen und dem Meer — eine, in der die Bewohner des Ozeans keine Verführerinnen, sondern Handwerker sind, keine Monster, sondern Nachbarn, die in einer parallelen Welt unter den Wellen leben.
Die Jiaoren: Weber der Tiefe
Die frühesten Erwähnungen der Jiaoren finden sich in Texten aus der Han-Dynastie und früher. Das Bowuzhi (博物志 Bówùzhì), eine Enzyklopädie der Wunder aus dem dritten Jahrhundert, bietet eine der klarsten Beschreibungen: Die Hauser leben im Südmeer und wohnen unter Wasser so natürlich, wie Menschen an Land leben. Sie verbringen ihre Tage damit, einen wundersamen Stoff namens Jiao-Seide (鲛绡 jiāo xiāo) zu weben, der so fein ist, dass er fast transparent erscheint und Wasser völlig abweist.
Aber das bekannteste Detail sind ihre Tränen. Wenn ein Jiaoren weint, fallen ihre Tränen nicht als Wasser herab — sie verfestigen sich zu Perlen. Dieses einzelne Bild hat durch zwei Jahrtausende chinesischer Poesie gehallt und ist zu einer der beständigsten Metaphern der literarischen Tradition geworden. Der Dichter der Tang-Dynastie, Li Shangyin, schrieb seine berühmte Zeile über "Perlen aus den Tränen der Meeresjungfrauen im mondbeschienenen Meer" — eine Anspielung, die gebildete chinesische Leser sofort erkennen.
Die ewige Flamme
Das andere charakteristische Merkmal der Jiaoren ist ihr Öl. Laut mehreren historischen Quellen, einschließlich der Aufzeichnungen, die mit dem Grab des ersten Kaisers Qin Shi Huang (秦始皇 Qín Shǐhuáng) verbunden sind, wurde das Meerfolköl verwendet, um Lampen zu beleuchten, die für die Ewigkeit brennen würden. Die Aufzeichnungen des Historikers Sima Qian beschreiben das unterirdische Grab des Kaisers, beleuchtet von Lampen, die mit Jiaoren-Öl betrieben werden, und die berechnet wurden, um Tausende von Jahren zu brennen.
Ob dies Mythologie oder eine übertriebene Beschreibung von Walöl ist, ist debattierbar. Aber das Bild, das es erzeugt, ist unvergesslich: ein gewaltiges unterirdisches Grab, finster wie der Meeresboden, beleuchtet von dem ewig brennenden Fett der Meerleute. Es ist sowohl prächtig als auch erschreckend — eine Erinnerung daran, dass in der chinesischen Mythologie das Schöne und das Groteske oft nur durch einen einzigen Satz getrennt werden.
Wie sich chinesische Merfolks von westlichen unterscheiden
Der Kontrast zu den westlichen Meerjungfrauen ist lehrreich:
Westliche Meerjungfrauen sind durch Verlangen definiert — sie wollen menschliche Liebe, menschliche Beine, menschliche Seelen. Sie sind Wesen des Verlangens und der Verführung. Von Homers Sirenen bis zu Hans Christian Andersens kleiner Meerjungfrau rahmt die westliche Tradition die Merfolks als Geschöpfe ein, die verzweifelt die Grenze überschreiten wollen.